Vorgestellt - Engagierte Menschen

In dieser Rubrik möchte die Freiwilligenagentur Pankow das freiwillige und ehrenamtliche Engagement von Menschen vorstellen und würdigen. Damit möchten wir auch zeigen, wie vielfältig und lebendig die Pankower Engagementlandschaft ist.

Nachdem die Interviewreihe aus personellen Gründen zwei Jahre ruhen musste, freuen wir uns, als neue Kollegin Karin Sahn begrüßen zu dürfen! Sie wird die Portraitreihe wieder aufleben lassen und so die Vielfalt bürgerschaftlichen Engagements würdigen und vorstellen.

März 2016


Vorgestellt im April/Mai 2018: Christa Konkel

 

ICH FINDE MENSCHEN SPANNEND

Christa Konkel sagt das mit leuchtenden Augen. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie mit und für Menschen - beruflich in einer Sozialstation und jetzt mit zwei syrisch-kurdischen Flüchtlingsfamilien.

Christa wurde vor 60 Jahren hier in Berlin in die Johannische Kirche hineingeboren. Der Glaube und die Art des Zusammenlebens der Menschen sind ihr wichtig. Da fand sie auch in den Auffassungen von Marx und Engels Ähnlichkeiten in Lebensauffassungen. Allerdings durfte sie, trotzdem sie Klassenbeste war, kein Abitur machen - sie war kein FDJ-Mitglied. So blieb die Ausbildung zum Fernmeldemechaniker. In dem Beruf hat sie bis zur Geburt ihres zweiten Kindes fünf Jahre gearbeitet.

Christa Konkel wollte etwas mehr Zeit für die Kinder und verkürzt arbeiten. Das wurde ihr nicht gestattet. Also half sie sich selbst und bewarb sich bei der Volkssolidarität als Haushaltshilfe: Sie hat für alte Leute eingekauft, saubergemacht und warmes Essen mit dem Fahrrad ausgefahren. „Das war genau mein Ding gewesen.“

Nach dem Mauerfall arbeitete sie in einer Sozialstation ihrer Kirche in ähnlicher Tätigkeit, erweitert durch Körperpflege. „Ich habe Im Westen gearbeitet, was ich eigentlich nie wollte. Da habe ich Menschen kennengelernt, die in Führungspositionen waren und trotzdem Fachkenntnisse hatten, also nicht hochgejubelt worden waren.“

Sie hatte noch die Mauer im Kopf, meint sie und musste umdenken. „Ich habe reiche und arme Leute mit viel Menschlichkeit kennengelernt, natürlich auch andere, und habe erfahren, dass nicht alle Westler nur raffen... Wenn jemand Menschen kennenlernen will, sollte er/sie in die Pflege gehen.“

Dann kam sie in eine neue Sozialstation, im Osten Berlins und da hat sie merken müssen, dass gute oder schlechte Arbeitsorganisation von der Leitung abhängt. Und Christa wurde und hat sich körperlich in der Tätigkeit überfordert.
Seit 2011 ist sie halb erwerbsunfähig, halb vom Jobcenter abhängig.
„Bei meinen bürokratischen Angelegenheiten musste ich viel lernen, wodurch ich jetzt aber anderen helfen kann.“

Der Kontakt zu einer syrischen Familie entstand im Jahr 2016 ganz privat. Ein Schwiegersohn ist Kurde und half einer anderen kurdischen Familie. Nun arbeitet er und die Zeit war knapp. Also ging Christa zu einer Wohnungsübergabe in Niederschönhausen. Die Verständigung gelang „...eher mit Händen und Füßen, aber ich hatte reichlich Erfahrung mit Wohnungsübergaben“. Etwas einfacher war es, wenn die beiden Schulkinder da waren, die schon deutsch sprachen. „Es hat bei uns menschlich von Anfang an gepasst.“

Seitdem ist Christa Konkel etwa einmal pro Woche bei der Familie. Und sie lernt viele Ämter und deren oft unverständliche Vorschriften kennen: Standesamt, Jobcenter, Ausländerbehörde, auch Angelegenheiten um Strom, Beglaubigungen oder Kindergeld - alles, was eine Familie eben so beschäftigt... „Jeder hatte andere Bedingungen und Anforderungen, viele wollten Gebühren. Manchmal habe ich mich schon geschämt, Deutsche zu sein!“ Und wer ist schon in der Lage, die Strukturen samt richtigem Sachbereich zu durchschauen...

Das gegenwärtig drängende Problem ist die Suche nach einem Kitaplatz für das jüngste Kind. Nur dann nämlich kann die Mutter endlich einen Deutschkurs besuchen.

Ihre freundliche und effektive Hilfe hat sich herumgesprochen, eine zweite Familie fragt Christas Hilfe nach. „Mehr als zwei Familien geht aber nicht. Es ist zeitlich und emotional sonst nicht zu schaffen.“

Und außerdem will sie Zeit mit ihren fünf Töchtern und den Enkelkindern verbringen. Vier wohnen in Pankow. „Wenn eine Oma gebraucht wird, bin ich nicht weit weg und wenn ich Hilfe brauche, sind sie da.“ Auf ihre Töchter ist sie stolz. Das Verhältnis ist sehr gut, woran Christa mit ihrer Art und ihrer Erziehung ganz sicher ihren Anteil hat.

Noch lange soll sie sich am positiven Feedback der syrischen und ihrer Familie erfreuen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

KS

Engagiert in Pankow

 
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