Hubert Pannek - ehrenamtlicher Betreuer im Hospiz

 

Für das 1. Interview habe ich mich mit Hubert Pannek aus Schöneberg verabredet. Er arbeitet für den Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) seit 2006 als Hospizbetreuer vorrangig im Hospiz Berlin-Buch.

Ich bin neugierig auf diesen Menschen, der mir gleich zu Beginn unseres Gespräches als ein offener, warmherziger und sehr dynamischer Mensch begegnete.

Hubert Pannek ist 69 Jahre alt und gebürtiger Ilmenauer. Er arbeitete in den letzten Berufsjahren als Arbeitswissenschaftler und technischer Redakteur, entdeckte aber schon in seiner Kindheit die Liebe zur Kunst. Der Grafik und Malerei, Fotografie und Schriftstellerei ist er bis heute treu geblieben, was in zahlreichen Arbeiten auf seiner Website und in eigenen Büchern bewundert werden kann. Neben seinem Beruf und der künstlerischen Arbeit engagierte er sich mit gleichem Enthusiasmus für seine beiden Adoptivkinder, sowohl im Elternaktiv in der Schule als auch in seinem sozialen Umfeld, wie z. B. bei der Entwicklung und praktischen Umsetzung eines Kinderspielplatzes.

So ist es nicht verwunderlich, dass er sich auch nach dem Berufsleben bürgerschaftlich engagieren wollte. Durch einen Zufall stieß er auf den HVD, bei dem er seine Patientenverfügung aufsetzte und später auch anderen Menschen beim Ausfüllen der Formulare half. Daraus entwickelte sich seine Mitgliedschaft beim HVD und die darauffolgende Ausbildung zum Hospizbetreuer. Mich interessierte, warum er gerade diese kräftezehrende Arbeit auswählte und musste bestürzt erfahren, dass ihn eine böse Erfahrung am eigenen Leib dazu bewogen hat: Mitten auf der Straße erlitt Hubert Pannek vor einigen Jahren plötzlich einen Herzinfarkt und niemand ist ihm in diesen schweren Augenblicken seines Lebens zu Hilfe geeilt. Diese Situation hat bei ihm den tiefen Wunsch ausgelöst, anderen Menschen vor allem in Notsituationen sinnvoll helfen zu wollen. Durch das Engagement für Kinder, durch eine Ausbildung in seinem Betrieb zum Gesundheitshelfer und schließlich durch den Beistand für Menschen in ihrer letzten Lebensphase im Hospiz hat er sich diesen Wunsch erfüllt.

Nach meiner zögernden Frage, ob er denn auch Freude bei seiner ehrenamtlichen Arbeit verspürt, bin ich überwältigt von der Leidenschaft und Nächstenliebe, die in seiner schnellen Antwort liegt: „Ein Glücksgefühl überkommt mich, wenn ich die Hand eines Sterbenden halte und plötzlich spüre, wie er ruhiger wird, seine Ängste kleiner werden und sein Blick eine große Dankbarkeit verrät …“ In diesen Momenten übernimmt Hubert Pannek nicht selten auch die Rolle eines vertrauten, doch fernen Angehörigen in den Vorstellungen des Betreuten, bei dem Traum und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen. Dann hilft das Erzählen oder Vorlesen von Geschichten, das geduldige Zuhören, wenn der Sterbende aus vergangenen Zeiten erzählen möchte und liebgewonnene Menschen noch einmal vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen lässt. Manchmal singt Hubert Pannek auch Lieder, die angenehme Gefühle und eine vertraute Atmosphäre beim Betreuten erzeugen und für Augenblicke seinen Zustand, vor allem aber die Angst vergessen lassen. Er begleitet Hospizbewohner auch auf Spaziergängen und Einkäufen und verschafft ihnen so eine „ganz normale“ Alltagssituation, die große Freude auslöst.

Eine enorme Hilfe bieten Hubert Pannek bei der Sterbebegleitung auch seine Bücher, die er allein oder mit Hilfe seiner Lebensgefährtin gestaltet und getextet hat und nun zusammen mit seinen Betreuten liest und anschaut, wie z. B. das Buch „Holzgeister“ mit eigenen Fotografien von alten Baumstämmen und phantasievoll abgestimmten Texten dazu. Ich bewundere beim Blättern darin die Kreativität und Wachsamkeit, mit der Herr Pannek seine Umwelt wahrnimmt und widerspiegelt und es fällt mir nicht schwer zu glauben, dass diese Arbeiten eine positive Wirkung auf einen Sterbenden ausüben, dessen Wahrnehmungskreis immer kleiner zu werden droht: Sie empfinden Ruhe, Entspannung, Ablenkung, ja, auch Freude in diesen Momenten. Mir bleibt nur eine tiefe Bewunderung und Hochachtung vor dem, was dieser Hospizbetreuer mit Kreativität, Phantasie und Einfühlungsvermögen leistet, um die schweren Stunden für einen Menschen erträglicher zu machen …

Zum Abschluss unseres Gespräches möchte ich noch wissen, wie man so viel Leid und Mitgefühl verarbeitet, um nicht selbst daran zu zerbrechen und wie er seine eigenen Ängste bewältigt, bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit keine Fehler zu begehen. Dazu erfahre ich, dass der HVD regelmäßig Kurse und Weiterbildungen anbietet, sowohl in Fragen rechtlicher Grundlagen als auch im Bereich der Linguistik. Nicht zuletzt werden bei diesen Kursen für den eigenen körperlichen und seelischen Selbstschutz Entspannungsübungen und Supervisionen angeboten.

Unser Gespräch hat Hubert Pannek mit einem bemerkenswerten Satz beendet: „Hier lerne ich sehr viel für‘s Leben, nicht nur für die Betreuung im Hospiz, denn der Umgang mit jedem Menschen ist immer wieder auf’s Neue eine Herausforderung, respekt- und würdevoll miteinander umzugehen.“

Mich hat dieses Interview sehr berührt, einen Menschen kennenzulernen, der es sich zur Aufgabe macht, ehrenamtlich Menschen auf ihrem letzten und schwersten Weg zu begleiten, diesen ein wenig leichter und begehbarer zu gestalten, indem er versucht, ihnen die Angst zu nehmen.

Ein besonderes Dankeschön an Hubert Pannek!

Kerstin Platzer

 

Von Hubert Pannek verfasste Gedichte:

Leitet Herunterladen der Datei einIn Würde entscheiden

Leitet Herunterladen der Datei einZu euch, die ich verlasse

 

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