Reiner Stolpe – besucht mit seinem Labrador Quincy Senioren in einem Pflegewohnheim in Blankenburg

Quincy ist ein ausgebildeter Blindenführhund. Aber der sechsjährige Labrador begleitet nicht sehbehinderte Menschen, sondern besucht einmal wöchentlich pflegebedürftige Senioren in einem Wohnheim der Albert-Schweitzer-Stiftung in Blankenburg, gemeinsam mit Reiner Stolpe, seinem „Herrchen“.

Eigentlich sollte Quincy nur die ersten anderthalb Jahre seines Lebens bei Reiner Stolpe und seiner Frau verbringen. Während dieser Zeit wurde der junge Hund vom Malteser Hilfsdienst zum Blindenführhund ausgebildet und sollte anschließend, nach bestandener Prüfung, in einer Familie mit Sehbehinderung zum Einsatz kommen. Doch die Familie, für die der Labrador ausgesucht wurde, kam mit Quincy nicht zurecht und so landete der Hund wieder bei den Stolpes. Und hier wurde er auch dringend gebraucht. Nach einer langsam verheilenden Schienbeinfraktur sollte Reiner Stolpe – pensionierter Physiklehrer und stellvertretender Schulleiter – sich unbedingt regelmäßig bewegen.

Damit die in der Ausbildung zum Blindenführhund erlernten Fähigkeiten nicht ver-kümmern, wurde Quincy kurzerhand zum Besuchsdienst eingeteilt. Seit Ende 2009 besuchen Reiner Stolpe und Hund einmal wöchentlich ein älteres Ehepaar, das selbst einmal vier Hunde hatte, diese aber vor dem Einzug in die Pflegeeinrichtung abgeben musste. Insbesondere für die Ehefrau, die sehr an ihren Tieren hing, sind die Besuche von Quincy eine Freude gewesen. Mittlerweile ist die Frau mit knapp 90 Jahren verstorben. Den verwitweten Ehemann trifft Reiner Stolpe immer noch einmal die Woche. Sie haben keinen festen Tag vereinbart, denn alle Beteiligten müssen in der richtigen Stimmung sein. So ruft Reiner Stolpe einfach kurz vorher an und fragt, ob ein Besuch mit Quincy passen würde. Gemeinsam gehen sie dann spazieren oder erledigen kleine Einkäufe.

Bei ihren Besuchen in der Pflegeeinrichtung kommen Hund und Herrchen oft auch mit anderen Heimbewohnern in Kontakt. Ganz spontan ergeben sich schöne Begegnungen. Eine ist Reiner Stolpe ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Das Pflegepersonal bat ihn um einen Besuch bei einer bettlägerigen Bewohnerin, die sich ohne Hilfe alleine nicht mehr aufrichten konnte. Als diese Frau den ungewohnten Besuch an ihrem Bett wahrnahm, hatte sie ganz unerwartet die Kraft, sich aufzusetzen und strahlte vor Freude über Quincys Anwesenheit.

Solche Begegnungen sind natürlich selten, aber sie zeigen sehr klar, wie bewegend die Gegenwart eines Tieres für Menschen sein kann. Für Reiner Stolpe sind solche kleinen Wunder die schöne Bestätigung dafür, dass er die mit dem Hundebesuchsdienst verbundenen Ziele durchaus erreicht: Der Kontakt mit Quincy weckt bei den Menschen Erinnerungen, spendet Trost und Lebensfreude und ermöglicht auf ganz einfache Weise soziale Kontakte.

Vielen Dank Reiner Stolpe!

MJ

 

 

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