Geballtes Engagement für die Bewohner des Domicil Seniorenpflegeheims am Schlosspark

vlnr: sitzend Rosemarie Sandau, Sonja Gesper; stehend Helga Dietrich, Barbara Winkelmann, Eveline Alex, Iris Reichert


Die Bewohner und Bewohnerinnen des DOMICIL Pflegeheims können sich glücklich schätzen. Ein engagiertes Team von zehn ehrenamtlichen Frauen setzt sich regelmäßig für die Belange und Wünsche der Senioren ein.

Eine von ihnen ist Barbara Winkelmann. Die 71-Jährige war vor ihrer Pensionierung Lehrerin. Seit sechs Jahren geht sie nun in der Pflegeeinrichtung ein und aus. Zunächst kam sie zum Vorlesen ins Pflegeheim. Allerdings traf sie dabei jede Woche auf andere Bewohner und Bewohnerinnen. So merkte sie, dass ihr ein persönlicher Kontakt zu einer festen Person eigentlich lieber wäre. Renate Kersten, Seelsorgerin im DOMICIL und Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen, brachte sie dann mit einer älteren Dame zusammen, die nach einem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen ist und sich ohne fremde Hilfe nicht bewegen kann. Nun sorgt Barbara Winkelmann für Bewegung und vor allen Dingen für Abwechslung. Gemeinsam geht es per Rollstuhl durch Pankow: zum Schloss- oder Bürgerpark oder auch mal ins Rathauscenter. Die montäglichen Besuche sind für Barbara Winkelmann „zur Selbstverständlichkeit geworden“ und gewissermaßen auch zu einer kleinen Sporteinheit. Denn Pankows Gehwege und Straßen sind alles andere als rollstuhlfreundlich.

Davon kann auch Eveline Alex (73 Jahre) ein leidiges Lied singen. Sie habe schon oft „Blut und Wasser geschwitzt“, wenn sich die Räder des Rollstuhls wieder einmal in den breiten Furchen zwischen dem Kopfsteinpflaster festgefahren hatten oder weit und breit kein abgesenkter Bordstein in Sicht war, sie aber die Straßenseite wechseln wollten. Eveline Alex kam vor ungefähr dreieinhalb Jahren das erste Mal ins DOMICIL, gemeinsam mit ihrem Foxterrier Juri. Sie besuchte damals eine ältere Dame, ein ehemaliges Model, die selbst einmal einen Hund hatte. Leider war sie inzwischen schwerhörig geworden, sodass die Unterhaltungen aufgrund der Lautstärke für Mensch und Tier sehr anstrengend waren. Nach einer halben Stunde musste Eveline Alex ihre Besuche meist beenden. Mittlerweile kümmert sie sich um eine andere Bewohnerin, eine Parkinson-Patientin. Unterhaltungen sind mit ihr nicht mehr möglich. Eveline Alex stört das nicht, sie versteht sich als Alleinunterhalterin. Bei gutem Wetter gehen die beiden spazieren und Eveline Alex erzählt was sie gerade sieht. Bei schlechtem Wetter bleiben sie im Haus und spielen Rommee.

2005 zog die an Demenz erkrankte Schwiegermutter von Sonja Gesper (66 Jahre) ins DOMICIL Seniorenpflegeheim. Mit fortschreitender Krankheit konnte die alte Dame ihre Familie nur noch an der Stimme erkennen. Dann kam es, dass Sonja Gesper auch ihre eigene Mutter pflegen musste. Die Trauer über ihren Tod ist immer noch groß. Nun könnte man annehmen, dass Sonja Gesper erstmal genug Pflege und Heim um sich hatte und vielleicht eine Abwechslung bräuchte, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie findet Trost in ihrem Ehrenamt, das sich einfach bei den Besuchen ihrer Schwiegermutter entwickelt hat. Das liegt vermutlich auch an ihren eher ungewöhnlichen Aufgaben im Pflegeheim. Zu den Weihnachtsfeiern im Pflegeheim kommt Sonja Gesper nämlich als Weihnachtsengel mit Schlittenhund. Strahlende Gesichter sind da garantiert. Regelmäßig fährt sie auch mit ihrem roten VW-Bus vor und begleitet Ausflüge in die Stadt oder in Berlins Umgebung. Von ihrer Tochter hat sich Sonja Gesper für die Fahrten extra eine CD mit Musik der 20er Jahre zusammenstellen lassen und wenn die läuft, dann singt der ganze Bus. Zudem ist Sonja Gesper auch noch Schriftführerin im Heimbereit der Pflegeeinrichtung. Bei dem ganzen freiwilligen Engagement fragt sie sich manchmal schon: „Und wenn du so alt bist, wer macht das mit dir?“

Auch Rosemarie Sandau (77 Jahre) ist über einen privaten Anlass zu ihrem Ehrenamt im Pflegeheim in der Pestalozzistraße gekommen. Bis September 2011 hat sie einen Freund dort besucht. Nachdem er leider im letzten Herbst verstorben ist, hatte sie den Wunsch, sich um andere Bewohner zu kümmern. Renate Kersten machte Rosemarie Sandau daraufhin mit einer 90-järigen Rollstuhlfahrerin bekannt. Einmal die Woche treffen sich beiden. Und wenn das Wetter es zulässt, dann gehen die beiden spazieren, auch wenn es Rosemarie Sandau mit ihren eigenen Rückschmerzen manchmal schwer fällt, den Rollstuhl zu manövrieren.

Iris Reichert ist Krankenschwester und hat bis zu ihrer Rente in der Altenpflege gearbeitet. Nun engagiert sie sich im Besuchsdienst. Sie hat eine ganz interessante Erfahrung gemacht. Als frische Rentnerin hatte sie zunächst noch auf 400-Euro-Basis in einem Pflegeheim gearbeitet und Mahlzeiten ausgeteilt. „Da wird auch schon mal gemeckert. Aber im Ehrenamt, da kommt soviel an Dankbarkeit zurück, dass können 400 Euro gar nicht aufwiegen.“

Helga Dietrich (66 Jahre) singt gemeinsam mit Renate Kersten im Kirchenchor in Alt-Pankow und wurde von ihr gefragt, ob sie eine Bewohnerin aus dem Pflegeheim zu Konzerten in der Alten Pfarrkirche abholen könne. Helga Dietrich macht es gern, obwohl es manchmal ein wenig eng wird, wenn sie selbst beim Konzert mitwirkt. Allein bei dem Bringedienst ist es aber nicht geblieben. Regelmäßig geht Helga Dietrich mit der Bewohnerin, die im Bachchor der Gedächtniskirche gesungen hat, auch spazieren. Ihr Engagement im DOMICIL empfindet sie als große Bereicherung. Denn so kann sie sich selbst ein Bild davon machen, was das Leben im Heim bedeutet: „Jedes Schicksal und jeder Krankheitsverlauf ist anders.“ Und die negativen Berichte im Fernsehen über Pflegedienste und Heime kann sie mit ihren eigenen Erfahrungen nicht bestätigen, die „sagen das Gegenteil“.

 

Vielen Dank den MitarbeiterInnen des Besuchsdienstes! Auch an die anderen Ehrenamtlichen, die bei diesem Gespräch nicht dabei sein konnten.

 

MJ

 

 

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