Aller guten Dinge sind drei: Manuela Klar engagiert sich ehrenamtlich als Schöffin am Gericht, besucht regelmäßig Patienten im Zentrum für Beatmung und Intensivpflege und bewirtet im Nachbarschaftscafé

Es ist schon ihre 2. Amtszeit als Schöffin am Moabiter Amtsgericht und wenn es so sein soll, dann übernimmt sie auch noch eine 3. Amtszeit. Aber danach wäre Schluss, denn länger als drei Amtszeiten dürfen die ehrenamtlichen Schöffen nicht mit richten. Schöffen haben übrigens das gleiche Stimmrecht wie die Berufsrichter und Berufsrichterinnen.

Manuela Klar (53 Jahre) ist gelernte Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin. Als sie erwerbsunfähig wurde, wollte sie nicht in das sprichwörtliche Loch fallen und suchte sich eine ehrenamtliche Aufgabe. Sie bewarb sich als Schöffin und sitzt nun Verhandlungen zum Straf- oder Familienrecht bei. „So kann ich auch die andere Seite kennen lernen“. In der Kanzlei, in der sie zuvor berufstätig war, hat sie Verhandlungen zwar mit vorbereitet, aber es gab für sie nicht die Gelegenheit, mit vor Gericht zu gehen.

Im Jahr kommt sie auf zehn bis zwölf Verhandlungen, je nach Länge der einzelnen Verhandlungen. Oft geht es um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Immer wieder stehen Erwachsene vor Gericht, die Drogen an Jugendliche verkaufen. Manuela Klar erfährt allerdings erst kurz vor Verhandlungsbeginn, um welches Delikt es geht. Der Richter oder die Richterin informiert die Schöffen darüber, wer angeklagt ist und was der Person zur Last gelegt wird. Während der Verhandlungen heißt es dann einen klaren Kopf behalten, so Manuela Klar. Denn oftmals verstricken sich die Angeklagten bei ihren Erklärungen in Widersprüche. Die Aufmerksamkeit der Schöffen wird teilweise jedoch arg strapaziert, denn manche Verhandlungen dauern ganze Tage.

Aus ihrer ersten Amtszeit wurde sie mit einem Lob entlassen. Dies galt insbesondere ihrer Zuverlässigkeit. Nicht alle ehrenamtlichen Schöffen nehmen dieses Amt so ernst, und so kommt es, dass Manuela Klar gerne auch angerufen wird, wenn kurzfristig andere Schöffen ausfallen. „Dann müssen die halt eine Stunde auf mich warten“. So lange dauert es nämlich, bis die Marzahnerin in Moabit vor der Anklagebank sitzen kann.

Vor zwei Jahren hat Manuela Klar dann noch ein weiteres Ehrenamt übernommen. Sie engagiert sich im Besuchsdienst des Frei-Zeit-Haus Weißensee und leistet Menschen im Zentrum für Beatmung und Intensivpflege am Storkower Bogen Gesellschaft. Lange Zeit hat sie dort jede Woche einem Mann vorgelesen. Er suchte die Bücher aus und sie sorgte mit ihrer Stimme für Abwechslung im Patientenalltag. Parallel dazu besuchte Manuela Klar auch noch eine Wachkomapatientin. Ihr hat sie auch vorgelesen, die Texte dafür allerdings allein ausgesucht: leichte, lustige Geschichten. Beide sind im selben Jahr verstorben. Danach hat sich Manuela Klar erstmal eine kleine Pause verordnet. Zwar hat sie gelernt mit den Eindrücken aus dem Zentrum umzugehen, aber dennoch „arbeitet es im Kopf, wenn man danach nach Hause geht“. Zuhause wartet auf Manuela Klar ein Chihuahua-Dackelmix, der schließlich auch ein bisschen Aufmerksamkeit braucht.

So, und zu guter Letzt engagierte sich die 53-Jährige von Herbst 2009 bis Oktober 2012 im Nachbarschaftscafé im Stadtteilzentrum Pankow. Einmal die Woche war sie für eine Vormittagsschicht dort, verkaufte selbstgebackenen Kuchen und frisch gebrühten Kaffee. Ihr machte es nichts aus, wenn das Café voll war und sie freut sich darüber, dass das Nachbarschaftscafé ein Ort für alle Generationen ist.

Vielen Dank Manuela Klar!


MJ

 

Engagiert in Pankow

 
Logos der Förderer des Stadtteilzentrum Pankow