Es geht nicht um Bestrafung, sondern um Einigung

Foto (v.r.n.l.): Ursula Stolpe, Axel Beyer, Peter Schumann, Christa-Maria Grasme, Renate Pieper


Sie machen es alle schon seit Jahren: Ursula Stolpe ist im dritten Jahr, Peter Schumann kommt auf acht Jahre, Axel Beyer ist seit 14 Jahren dabei, Renate Pieper seit 15 und Christa-Maria Grasme hat sich vor 18 Jahren das erste Mal wählen lassen. Die fünf sind ehrenamtliche Schiedspersonen am Schiedsamt von Pankow. Alle fühlten sich durch einen Zeitungsartikel in einem Berliner Wochenblatt angesprochen, in dem interessierte Pankower Bürger und Bürgerinnen dazu aufgerufen wurden, sich als Schiedsperson zur Verfügung stellen. Insgesamt zehn Schiedsleute sind für den Großbezirk Pankow zuständig. Ihre Aufgabe ist es, Streitigkeiten, die nicht unbedingt vor Gericht geklärt werden müssen, außergerichtlich zu schlichten. Nachbarschaftliche Reibereien machen den Großteil der Fälle aus.

Bei der Schlichtung geht es nicht darum einen Schuldigen zu finden und diesen zu bestrafen, sondern es geht darum, dass die zerstrittenen Parteien sich einigen, so Christa-Maria Grasme. Seit fast zwei Jahrzehnten schlichtet sie Streitigkeiten, in denen es um Beleidigung, Körperverletzung ohne Werkzeuge (damit ist beispielsweise eine Ohrfeige gemeint) oder nicht zurückgezahlte Geldsummen geht. In der Schlichtungsverhandlung versucht sie mit den beiden Parteien zu klären, was genau vorgefallen ist, wie es dazu kommen konnte und was für eine Einigung passieren muss. Bei einer Beleidigung oder Körperverletzung reicht den betroffenen Personen gewöhnlich eine Entschuldigung und das Versprechen, dass dies nie wieder vorkommen wird. Manchmal wird auch vereinbart, dass die gegnerische Partei für einen caritativen Zweck spendet. Bei Geldschulden legen die beiden Parteien in der Regel eine Ratenzahlung fest, die bindend ist.

Die Erfahrung von Axel Beyer und Renate Pieper ist, dass der „Anlass für eine Schlichtung meist nicht die Ursache dafür ist“. Wenn die streitenden Parteien sich vor dem Schiedsgericht einfinden, sind die „Fronten schon so verhärtet“, dass diese erst einmal wieder aufgeweicht werden müssen. Renate Pieper greift dabei gerne auf die Methoden der Mediation zurück, mit denen sie mehr in die Tiefe des Konflikts gehen kann. „Dabei stellt man fest, dass es nicht um den Baum an der gemeinsamen Grundstücksgrenze oder die laut spielenden Kinder geht“. Die Ursache für die aktuelle Streitigkeit ist vielmehr in der Vergangenheit zu suchen. Ziel der Schlichtung ist es, den „nachbarschaftlichen Frieden“ wieder herzustellen, so Axel Beyer, „das gelingt nicht immer, aber immerhin doch in 70 bis 80 % der Fälle.

Das nachbarschaftliche Miteinander ist auch Ursula Stolpe wichtig. Sie stellt fest, dass Nachbarn oft einfach nicht über ihre Konflikte reden. Dabei ist es hilfreich, frühzeitig miteinander zu kommunizieren, statt sich immer wieder über die wuchernden Bäume der Nachbarn oder die laute Musik von nebenan zu ärgern. Sie freut sich, wenn sie als Schiedsfrau die streitenden Parteien dazu bringt, wieder miteinander zu sprechen. „Nachbarschaft ist wichtig, sie muss funktionieren“, so das Credo von Ursula Stolpe.

Sie wünscht sich, genauso wie Peter Schumann, dass die Arbeit der Schiedspersonen noch bekannter wird. Peter Schumann hat deshalb schon Kontakt mit Polizei und Ordnungsamt aufgenommen, damit die dortigen Mitarbeiter bei passenden Fällen zunächst den Gang zum Schiedsamt statt zum Anwalt nahelegen. Dies spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. So kostet eine Schlichtung maximal 40 Euro, die sich die beteiligten Parteien auch noch teilen können, sofern es zu einer Einigung kommt. Den Termin für die Schlichtungsverhandlung erhalten die Beteiligten zeitnah. Anders ist es bei Gerichtsverhandlungen, wo lange Wartezeiten die Regel sind.


Vielen Dank an die Schiedspersonen!


MJ

 

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