96 Stunden für (ein gutes) Leben in Wilhelmsruh

(v.l.n.r.): Barbara Badstübner, Marion Kunert, Ursula Gehlen


Als der Stadtteilbücherei in der Edelweißstraße 2004 aus Kostengründen das Aus drohte, dachten viele „das darf nicht passieren“. Schnell fanden sich Gleichgesinnte, die sich für den Erhalt der Bücherei einsetzten. Darunter viele, die die Einrichtung noch aus eigenen Kindertagen kannten und nun mit ihrem Nachwuchs Bilderbücher leihen wollten. Doch am Ende der Gespräche mit Vertretern und Vertreterinnen der Bezirkspolitik stand es fest: die Stadtteilbibliothek würde geschlossen werden. Also musste eine neue her…

Kurz nach dem negativen Beschluss des Kulturausschusses der Pankower Bezirksverordnetenversammlung im Frühjahr 2005 erhielt Leben in Wilhelmsruh seinen Eintrag ins Vereinsregister. Im Juni 2005 wurden dem Verein die Schlüssel für das neue Bücherdomizil übergeben. Und dann passierte lange gar nichts… Denn die Räumlichkeiten auf dem Wilhelmsruher ABB-Gelände, zu denen die Schlüssel passten, beherbergten einst große Maschinen, die Fenster waren kaputt und zudem stand der ehemalige Maschinenraum auch noch unter Denkmalschutz. Bis zu einer ehrenamtlich geführten Bücherei, die hier entstehen sollte, würden noch viele Arbeitsstunden und vor allen Dingen viel Geld nötig sein, über das der junge Verein nicht verfügte.

Im März 2006 stellte der rbb in seiner Fernsehsendung 96 Stunden den Verein und sein Vorhaben vor. Ziel von 96 Stunden ist es, soziale Projekte, „die irgendwie stecken geblieben sind“, bei der Umsetzung ihrer Pläne zu unterstützen. Zumeist geht es darum, Sponsoren und Freiwillige, und in diesem Falle freiwillige Handwerksfir-men zu motivieren, sich mit Arbeitskraft, Zeit und Material für das Fortschreiten des Projektes stark zu machen. Das Ganze wird dann vier Tage lang, also 96 Stunden, von der TV-Kamera beobachtet.

Für Leben in Wilhelmsruh brachte der Fernsehbeitrag so viel Unterstützung, dass die Bücherei-Räume bereits im April 2006 eingeweiht werden konnten.

Marion Kunert (48), Barbara Badstübner (70) und Ursula Gehlen (60) gehören zu dem 20-köpfigen Bücherei-Team. Gemeinsam schaffen sie es, dass die Bibliothek an drei Nachmittagen und zwei Vormittagen 21 Stunden in der Woche geöffnet ist. Alle haben ihren festen Tag. Pro Schicht sind stets zwei Ehrenamtliche „im Dienst“ und übernehmen die typischen Büchereiaufgaben: Bücher zurücknehmen, ausleihen oder wegsortieren. Neuen „Kunden“ geben sie einen schnellen Überblick darüber, was wo zu finden ist. Mehrmals im Jahr organisiert das B-Team, wie sich die Ehrenamtlichen selbst nennen, in der Bibliothek Lesungen. Außerhalb der Öffnungszeiten bietet das ehrenamtliche Bücherei-Team Leseförderung für die umliegenden Schulen an und sorgt für Bücherei-Nachwuchs, indem auch schon Kita-Gruppen dazu eingeladen werden, die Büchereischätze zu entdecken.

Die Wilhelmsruherin Marion Kunert ist, genauso wie Barbara Badstübner, bereits zur Gründungsphase des Vereins dabei gewesen. Sie ist selbständige Desktop Publisherin und sorgt zudem für eine stets aktuell gepflegte Homepage der Biblio-thek. Barbara Badstübner, gelernte MTA, führte gemeinsam mit ihrem Mann in Wil-helmsruh ein Zoofachgeschäft. Sie wollte für ihre Enkel unbedingt eine Bücherei „vor der Haustür“. Die Schildowerin Ursula Gehlen, die vor ihrem Ruhestand bei Schering als Laborantin tätig war, erfuhr zufällig über einen Bekannten von der ehrenamtlich geführten Bücherei in Wilhelmsruh und stieß so über einen Umweg später zum B-Team dazu.

Vielen Dank an das gesamte B-Team!

MJ

 

Übrigens: Der Verein betreut auch den Wilhelmruher, eine vierteljährlich erscheinende Kiezzeitung. Zurzeit fehlt allerdings eine ehrenamtliche Person, die sich um die redaktionellen Inhalte des Blattes kümmert. Interessierte wenden sich bitte an Beate Köhler (ehrenamt@leben-in-wilhelmsruh.de).

 

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