"(Computer)Handbücher lese ich vorne bis hinten"

Einen Computer wollte Werner Stolzmann (64 Jahre) eigentlich gar nicht haben. Dann kam es doch anderes. Zunächst nutzte er das Gerät zum Spielen. Das reichte ihm nach einiger Zeit nicht mehr. Und irgendwann kam der Moment, da wollte Werner Stolzmann bei Computerproblemen auch nicht mehr abhängig sein von anderen Leuten. Stattdessen hat er sich Schritt für Schritt mit Hilfe von Handbüchern mit der Funktionsweise seines Computers und den verschiedenen Programmen auseinander gesetzt. Dabei entdeckte er sein Interesse für die Bildbearbeitung am Computer. Er arbeitete anfänglich mit Bildern aus dem Internet. Erst später begann er eigene Fotos am Rechner zu verbessern. Seine große Leidenschaft ist das Composing geworden. Dabei setzt Werner Stolzmann drei bis vier einzelne Bilder zu einem neuen zusammen, ohne dass man als Betrachter erkennen kann, dass es sich um eine Art Fotocollage handelt.

Bevor Werner Stolzmann 2008 in Frührente ging, war er für eine Automatenfirma tätig. Jahrelang saß er tagtäglich im Auto, die letzten Berufsjahre tauschte er das anstrengende Autofahren gegen den ruhigeren Innendienst. Als Frührentner gönnte er sich dann den Luxus und verkaufte sein Auto. Die anfängliche Skepsis seiner Frau ist einer großen Zufriedenheit gewichen. „In Berlin braucht man kein Auto. Überall komme ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin und das oftmals auch noch schneller als mit dem eigenen Auto.“

Mit dem Start ins Rentnerleben, war Werner Stolzmann auch klar, dass er sich ehrenamtlich betätigen wollte. Über eine Internetsuche landete er im CharlotteTreff in der Mutziger Straße in Weißensee. Dort übernahm er einen Fotoclub, der sich schwerpunktmäßig mit der Bearbeitung von Bildern beschäftigt. Dreimal monatlich kommt die Gruppe zusammen, manchmal sind es bis zu neun Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Zu Beginn seines Ehrenamtes hat sich Wernern Stolzmann ein Konzept für seinen Fotoclub überlegt, ähnlich wie bei einem Kurs an der Volkshochschule. Nach einiger Zeit hat er aber festgestellt, dass es wenig bringt, die einzelnen Punkte seines Lehrplans abzuarbeiten. Am Ende haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen viel gemacht, aber dennoch nicht gelernt, ein Bild so zu bearbeiten, dass es ihnen danach besser gefällt. Nun gestaltet er den Kurs so, dass jeder mal ein Bild mitbringt, das dann gemeinsam bearbeitet wird: Fehler werden korrigiert, Bildausschnitte verändert, … „Das Wichtigste ist, dran zu bleiben, ich lerne nur, wenn ich die Einstellungen selbst ändere. Und dabei muss ich nach meinem Geschmack entscheiden“. Mit einem kleinen Teil Gruppe macht Werner Stolzmann ab und zu auch Fotoausflüge. Der letzte ging in den Museumspark Rüdersdorf.

Über seine Frau, die sich in ihrer Kirchengemeinde für die Berliner Tafel engagiert, ist Werner Stolzmann zu seinem zweiten Ehrenamt und so auch wieder zum Autofahren gekommen. Werner Stolzmann sprang für einen ausgefallen Beifahrer ein und half dabei, gespendete Lebensmittel von kooperierenden Supermärkten abzuholen. Bei dem einmaligen Einspringen blieb es jedoch nicht. Werner Stolzmann übernahm zunächst selbst einen festen Tag als Beifahrer und mittlerweile ist er zum ehrenamtlichen Tafel-Fahrer geworden.

Seine beiden Ehrenämter machen ihm viel Freude. Auch, weil man auf diese Weise „viele nette Leute kennen lernt, es entstehen Freundschaften“.

Vielen Dank Werner Stolzmann!

MJ

 

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