„Das Ehrenamt sollte zum normalen Leben dazu gehören“

Sylvia Giesel kam vor gut zwei Jahren über ihren Arbeitgeber BMW zu ihrem Ehrenamt. Über einen Mitarbeiter der konzerneigenen Eberhard von Kuenheim Stiftung erfuhr sie von dem Mentorenprojekt Joblinge. Nachdem die Joblinge 2008 zunächst in Deggendorf in die Pilotphase gingen, ist das Mentorenprojekt mittlerweile in zehn deutschen Städten vertreten, so auch in Berlin.

Sylvia Giesel (54 Jahre) musste sich zunächst mit dem Gedanken vertraut machen, eventuell die Verantwortung für einen Mentee oder eine Mentee zu übernehmen. So werden die Schützlinge bezeichnet, um die sich die Mentoren ungefähr ein hal-bes Jahr lang kümmern und mit ihren Lebens- und Berufserfahrungen dazu beitragen, dass die jungen Menschen einen Ausbildungsplatz finden. „In meinem Bewusstsein war das auch nicht drin, sich ehrenamtlich zu engagieren.“ Aber nach einem Infogespräch bei den Joblingen war sich Sylvia Giesel sicher, dass sie Mentorin werden wollte. „Ich finde es interessant mit Jugendlichen zu arbeiten.“

Zwei junge Frauen hat sie schon erfolgreich als Mentorin begleitet. Beide haben mit der Unterstützung von Sylvia Giesel einen Ausbildungsplatz gefunden. Einmal in der Woche treffen sich Mentorin und Mentee und klären zunächst, welche beruflichen Interessen vorhanden sind, dann geht es darum Bewerbungen zu schreiben. Wie muss eine Bewerbung aufgebaut sein, was schreibt man rein, was eher nicht. Dann, im nächsten Schritt geht es darum, Vorstellungsgespräche vorzubereiten: was zieht man an, wie verhält man sich in dieser aufregenden Situation richtig. Zurzeit betreut Sylvia Giesel einen jungen Mann.

Bevor die Mentoren ihre ehrenamtliche Arbeit starten, durchlaufen sie eine Schulung, in der sie darauf vorbereitet werden, was es heißt, Mentor oder Mentorin zu sein. Es geht um rechtliche Rahmenbedingungen, aber vor allen Dingen geht es auch darum, zu erkennen wo die Grenzen sind: Mentoren sollten die Beziehung zu ihren Mentees beispielsweise nicht zu persönlich werden lassen. Die gemeinsamen Treffen sollten deshalb nicht zuhause bei Mentor oder Mentee stattfinden, sondern an neutralen Orten wie bei den Joblingen oder in der Bibliothek. Teilweise haben die Jugendlichen schon eine Reihe von negativen Erfahrungen gemacht bis sie Mentee werden, manche sind frustriert. Da ist es besonders wichtig, dass Mentor und Mentee stets klare Vereinbarungen treffen, die dann auch von beiden Seiten eingehalten werden.

Für die Zukunft wünscht sich Sylvia Giesel, dass Thema Ehrenamt in Deutschland so bekannt wird, wie es in den USA der Fall ist. „Es sollte zum normalen Leben dazu gehören und noch mehr anerkannt werden.“

Vielen Dank Sylvia Giesel!

MJ

 

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