Berlin ist eine interessante Stadt

…sagen Maili und Gerhard Hochhuth, und als Neu- Berliner kann man das nach zehn Jahren aus Erfahrung sagen.
Ihr Arbeitsleben haben sie in und um Kassel verbracht, er als Pfarrer, sie als Lehrerin und Schulleiterin. Beide waren sozial engagiert, sei es als Organisator eines Eltern- Kind-Spielkreises (Kitas gab es noch nicht), einer Begegnungsstätte für Spätaussiedler (er) oder im Vorstand des Gedenkstättenvereins Breitenau, einer KZ-Außenstelle (sie). Dafür haben sie Anerkennung und Auszeichnungen erfahren – sehr zu Recht!
Wir haben in unseren Berufen immer soziale Schwerpunkte gesetzt und uns gerne neuen Herausforderungen gestellt“, sagen beide mit leuchtenden Augen „...und der Umzug nach Berlin gehört dazu und war die richtige, langfristig vorbereitete Entscheidung.
Drei Kinder, davon ein Zwillingspaar, haben beide großgezogen. Die Tochter und ihre Familie leben im Rhein-Main-Gebiet, die beiden Söhne inzwischen in Berlin, und das Paar betreut regelmäßig ein Enkelkind, und das sehr gern.

Maili und Gerhard Hochhuth sind historisch interessiert. Ihre Wohnung befindet sich in einem Neubauteil der ehemaligen chinesischen Botschaft. So fing es an!
Wir wollten wissen, wie es hier aussah, was und wie Pankow war. Wir haben an Vorträgen und Stadtführungen teilgenommen, im Internet recherchiert. Auf diese Weise haben wir unser neues Zuhause und unseren Kiez gut kennengelernt. Dabei stießen wir auch auf das Leben einer jüdischen Familie.
Im Jahr 2009 sind sie eingezogen, ein Jahr später beantragten sie die Verlegung eines Stolpersteins und 2012 wurde er gelegt.

Maili und Gerhard Hochhuth haben sich auch sonst in Berlin von Beginn an engagiert:
Sie hat im Stadtteilzentrum Pankow bei einer Ausstellung zur Geschichte des Hauses mitgearbeitet und führt organisierte Spaziergänge zu verschiedenen Themengebieten durch. Auch in der Flüchtlingsarbeit ist sie engagiert.
Er hat in öffentlichen Archiven geforscht, aber auch in den Pankower Kirchengemeinden und im Archiv von Inge Lammel (Pankower Historikerin, 1924-2015). Dabei hat er umfangreiches Material zum Kirchenkampf in der Nazizeit und zum jüdischen Leben und Sterben in Pankow zusammengetragen.

Zu einem besonderen Schwerpunkt hat sich die Arbeit mit Stolpersteinen entwickelt.
Im Jahr 2013 haben Maili und Gerhard Hochhuth die Stolpersteingruppe für den Alt-Bezirk Pankow gegründet. Die Gruppe trifft sich regelmäßig im Stadtteilzentrum und hat inzwischen 15 Mitglieder. Hier werden neue Verlegungen vorbereitet. Anfragen und Anträge kommen von gegenwärtigen Hausbewohnern, Schulklassen oder Angehörigen aus dem Ausland. Dann wird in Archiven recherchiert oder Kontakt zu Angehörigen aufgenommen. Oftmals finden sich weitere interessante Details zur Geschichte der Familien und/oder der Häuser.
Die Verlegung wird oft von Live-Musik begleitet. Es werden Blumen niedergelegt, Texte, Gedichte und natürlich die Biografien der Betreffenden verlesen, daran sind immer mehrere Mitglieder der Gruppe beteiligt. Wir machen das schon feierlich. Vorab werden Flyer in den umliegenden Häusern verteilt, und auch Passanten bleiben dann stehen.
Außerdem werden die verlegten Stolpersteine regelmäßig von Mitgliedern der Gruppe geputzt und Spaziergänge zu Stolpersteinen angeboten.

In Pankow gibt es derzeit 69 Stolpersteine, davon wurden 53 von der Pankower Gruppe initiiert (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.stolpersteine-berlin.de).

Wir wünschen Maili und Gerhard Hochhuth viele weitere gute Jahre in Pankow, mit ihrer Familie und bei ihrem ehrenamtlichen Engagement.

Herzlichen Dank für das Gespräch

KS

 

Engagiert in Pankow

 
Logos der Förderer des Stadtteilzentrum Pankow