Vorgestellt - Engagierte Menschen

In dieser Rubrik möchte die Freiwilligenagentur Pankow das freiwillige und ehrenamtliche Engagement von Menschen vorstellen und würdigen. Damit möchten wir auch zeigen, wie vielfältig und lebendig die Pankower Engagementlandschaft ist.

Nachdem die Interviewreihe aus personellen Gründen zwei Jahre ruhen musste, freuen wir uns, als neue Kollegin Karin Sahn begrüßen zu dürfen! Sie wird die Portraitreihe wieder aufleben lassen und so die Vielfalt bürgerschaftlichen Engagements würdigen und vorstellen.

März 2016


Vorgestellt im Dezember 2018/Januar 2019: Agata Koch

 

INTERKULTURELL IN PANKOW

Pankow ist der richtige Ort für mich: Stadt und Grün zugleich“ sagt Agata Koch.
Sie spricht hervorragend Deutsch, ist sie doch schon seit 1983 in Deutschland.

Mit der Zeit hat sich viel verändert.“ Sie studierte Germanistik in Leipzig und kam 1990 nach Berlin. Hier hielt sie Sprachkurse ab und arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin im gesamten Stadtraum für Firmen und Privatkunden.
In den Neunzigern habe ich sehr viel gearbeitet. Dann kam die Familienzeit und alles wurde anders. Zu dem Zeitpunkt war ich auch stadtmüde geworden und zog nach Pankow. Pankow tat mir sehr gut: Eine gute Mischung von Bauten, Grün und dennoch zentrumsnah. Und die Menschen sind hier irgendwie besonders…“

Agata Koch hat die Zeit mit ihren Kindern, als sie noch klein waren, sehr intensiv verbracht. Als eines Tages in der Kita die Frage nach Ideen zur Mehrsprachigkeit der Kinder kam, ergriff sie zusammen mit einer anderen polnisch-sprachigen Mutter die Initiative und stellte für eine ganze Kindergartengruppe und ihre Eltern ein kleines Programm zusammen: Verse, Lieder, Aufzählreime, Märchen, Bewegungsspiele auf Polnisch und auf Deutsch. Mit vollem Erfolg angenommen, eröffnete diese Reihe neue Möglichkeiten eines guten Miteinanders in der Kita – für Kinder, ihre Familien und Erzieher*innen.
Denn es ist wichtig, die heimische Sprache nicht verkümmern zu lassen. Das betrifft nicht nur polnisch sprechende Kinder, die zweisprachig aufwachsen, das betrifft so viele mehrsprachige Menschen hier in Berlin und in der globalisierten Welt überhaupt.“ So wurde das SprachCafé Polnisch initiiert. Schnell fanden sich Interessierte und Mitstreiter*innen. Aus einer formlosen Initiative wurde im Jahr 2012 ein gemeinnütziger Verein. Zurzeit sind ca. 40 Personen Mitglieder und etwa genauso viele engagieren sich hier ehrenamtlich - mit unterschiedlicher Intensität. Begonnen haben sie mit einem ersten Treffen im Nachbarschaftshaus Alte Apotheke in Heinersdorf, dann kamen die nächsten im Stadtteilzentrum Pankow dazu. Der Verein freut sich, seit Januar 2018 eigene Räume in der Schulzestraße 1, direkt am S-Bhf Wollankstrasse gelegen, mit über 100 m² nutzen zu können.

Wir wollen uns und unsere Sprache nicht verstecken, es gibt so viel Schönes, was wir alle miteinander teilen können. Polen sind doch die zweitstärkste Zuwanderergruppe in Berlin. Wir wollen uns als Community einbringen und nicht unsichtbar sein.“
Mit den eigenen Räumen und damit größerer Flexibilität hat sich der Zuspruch enorm erhöht. So gibt es z.B. seit drei Monaten eine Krabbelgruppe mit Geschichten und Liedern in polnischer Sprache – wohl einmalig in dieser Form in Berlin. „Die Mütter und ihre Babys befinden sich gerade in einer sehr sensiblen Lebensphase, in der es gut tut, die Muttersprache zu leben.

Die größte Sprachmesse in Deutschland, die EXPOLINGUA, profitiert schon zum dritten Mal von der Idee‚ „Speak Dating“ für ihre Gäste anzubieten, die das SprachCafé hin und wieder praktiziert und auf der Messe mit einbringt: Zwei Partner mit unterschiedlicher Muttersprache sprechen in festgelegter Zeit zu einem festgelegten Thema – bis zum Partnerwechsel. Das praktiziert der Verein seit zwei Jahren erfolgreich auf Deutsch-Polnisch. Auf diese Weise sind schon etliche Tandems entstanden. Inzwischen nutzen auch italienisch und spanisch sprechende Nachbarn das SprachCafé in ihrer Muttersprache und im Austausch mit anderen Sprachen – interkulturell eben! Auch Kunst und kreative Aktivitäten bringen hier Menschen unterschiedlicher Muttersprachen erfolgreich zusammen.

Das SprachCafé Polnisch ist offen für alle Menschen, welcher Herkunft auch immer, auch für alle Generationen. „Unsere Besucher*innen schätzen das gute Miteinander, das von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Wir wirken lokal und global ausgerichtet. Das Konzept, das Programm entwickelt sich aus den Bedürfnissen und Nachfragen der Mitwirkenden.
Die Einrichtung der neuen Räume erfordert derzeit noch viel Kraft und Zeit. Die Küche ist noch im Aufbau, der Fußboden muss noch verlegt werden, die Schiebetür zur optimalen Nutzung der beiden Raumteile muss noch eingebaut werden. Und vieles mehr… und das alles aus unterschiedlichen Mitteln finanziert. „Die Miete ist vorerst im Rahmen der Projektarbeit aber nur teilweise gedeckt, das Bezirksamt Pankow unterstützt uns dabei. Die Ehrenamtlichen erhalten kein Geld, selbst wenn die eine oder der andere hier manchmal auch im Full-Time-Modus die laufenden Aufgaben bewältigt.

Besonders stolz ist Agata Koch darauf, dass sich das SprachCafé Polnisch der Anerkennung durch die Nutzer erfreut und dass die Integrationsbeauftragte Pankow sowie zahlreiche Partner*innen eines mittlerweile gewachsenen Netzes die Zusammenarbeit sehr wertschätzen. Das SprachCafé Polnisch war das erste in Berlin, inzwischen gibt es Initiativen in Mitte, Schöneberg und Schöneweide, die sicher noch wachsen möchten…

Der junge Verein ist in Pankow und seinen neuen Räumen angekommen!

Alles Gute und herzlichen Dank für das Gespräch!

 

KS

 

Engagiert in Pankow

 
Logos der Förderer des Stadtteilzentrum Pankow